Samstag, den 15. Dez 2018

Architektur:

Privater Regenspeicher in Berlin-Mitte

Regenwassernutzung in Berlin – ein Klassiker. Dass das Niederschlagswasser im Hotel genutzt wird, ist noch ungewöhnlich. Der Bedarf für WC-Spülung ist hoch, der Ertrag in mehrgeschossigen Gebäuden der Innenstadt relativ gering. Bauart als Investor, das Ingenieurbüro Kraft, und das ETAP-Hotel haben ein Pilotprojekt realisiert, das der neuen Umweltpolitik entspricht und sich über eingesparte Gebühren finanziert.

Das Königstadt-Carree am Alexanderplatz, Moll-/Ecke Greifswalder Straße, wurde 2010 umgebaut und ergänzt. Das anfallende Regenwasser wird gesammelt und unterirdisch gespeichert. Nutznießer ist das ETAP-Hotel, das die Niederschläge zur WC-Spülung verwendet. Jeder genutzte Kubikmeter Regenwasser spart einen Kubikmeter Trinkwasser – und die Gebühr dazu. Eine weitere Gebühr, die hier nicht bezahlt werden muss, ist die so genannte Niederschlagsgebühr, fällig bei Ableiten von Regenwasser in den städtischen Kanal. 1,90 € pro Quadratmeter versiegelter und per Kanal entwässerter Fläche wären in Berlin pro Jahr sonst fällig. Der Vorteil wird an den Mieter weitergegeben.

Die Stadt Berlin fordert Regenrückhaltung mit jeder Baugenehmigung. Das heißt mindestens, auf dem Grundstück den Regen zu speichern und verzögert per gedrosselten Abfluss in den Kanal zu leiten. In der stark versiegelten Mitte Berlins ist die städtische Kanalisation an der Grenze ihrer Kapazität und Flächen zur Niederschlagswasserversickerung sind knapp. Das Grundstück des „Königstadt - Carree“ ist durch den Bau von Tiefgaragen größtenteils versiegelt. So gibt es nur noch kleine Flächen mit Grundwasseranschluss. 

Für die Einleitung von Niederschlagswasserabflüssen in den städtischen Mischwasserkanal existiert eine Einleitbeschränkung von 27 l/s, deren Ableitung jedoch nicht garantiert ist, da der Kanal für die Ableitung von starken Niederschlägen nicht leistungsfähig genug ist und es zum Rückstau auf das Grundstück kommen kann. Um das Grundstück zu schützen und insbesondere die Tiefgaragen sowie die Ladengeschäfte vor Überstauungen zu bewahren, wurde eine Anlage zur Niederschlagswasserbewirtschaftung installiert werden, die ohne Anschluss an die städtische Kanalisation einen 100-jährigen Niederschlag schadlos ableiten kann. 

Doch dabei wird noch keine Gebühr gespart. Erst wenn das Niederschlagswasser die Richtung ändert und vom Speicher aus zum Grundwasser hin versickert oder in ein Oberflächengewässer wie die Spree mündet, entfällt die Niederschlagsgebühr. Sie entfällt auch, wenn das Regenwasser genutzt wird, z. B. für Bewässerung von Außenanlagen.

Das Konzept

Gut beraten war Bauart als Bauträger durch das Ingenieurbüro Kraft, Beratende Ingenieure für Wasserwirtschaft aus Berlin, die die Nutzung des Regenwassers empfohlen haben. Soweit die Vorräte im Speicher reichen, wird pro Kubikmeter nicht benötigtes Trinkwasser 2,17 € gespart. Die ist nur der Trinkwasseranteil der Wassergebühr. Der Abwasseranteil wird bezahlt, denn auf dem Umweg über die Toilette gelangen die Niederschläge Spülung für Spülung doch in den Kanal. Doch das Gute dabei ist, dass neben der Schonung der Trinkwasservorräte das Abwassersystem dreifach entlastet wird:

  • Die Abwassermenge wird reduziert, wenn genutztes Trinkwasser und Regenwasser zusammen betrachtet werden.
  • Der Abfluss der Niederschläge ist zeitlich stark verzögert und vergleichmäßigt, da Toilettenspülungen kleine Mengen darstellen, die relativ gleichmäßig übers Jahr verteilt abfließen.
  • Qualitativ verbessert sich das Abwasser in dem Maße, in dem weniger Putzmittel verwendet werden müssen. Tatsächlich bildet das von Natur aus weiche Regenwasser bei der Toilettenspülung keine Urinstein-Ablagerungen in der Keramik, was bei hartem Trinkwasser unvermeidbar ist und den Einsatz aggressiver Putzmittel erfordert.

Die Technik

Projektingenieurin Judith Kraft schöpft aus der Erfahrung, die ihr Büro mit Projekten ähnlicher Art in Berlin-Zehlendorf und Stuttgart-Killesberg gesammelt hat. „Hier im Königstadt-Carree wird das Regenwasser der Dach- und versiegelten Hofflächen in den Grundleitungen gesammelt, mechanisch und biologisch gereinigt und zur Wiederverwendung als Betriebswasser zur Verfügung gestellt.“ Der Regenspeicher ist unterteilt in eine Zone mit Rohwasser (110 m³) und eine mit Reinwasser (166 m³). Beide Teilbereiche haben ein Pumpwerk. Das Rohwasserpumpwerk besteht aus 2 Tauchmotorpumpen, die abwechselnd laufen. Es fördert das Wasser zum Bepflanzten Filter, von dort aus gelangt der Niederschlag im freien Gefälle in den Reinwasserspeicher.

Zurück im Reinwasserabschnitt des Regenspeichers, steht das so aufbereitete Niederschlagswasser zur Nutzung bereit. Angefordert wird es automatisch vom so genannten Regencenter, einer trocken im Keller des ETAP-Hotels aufgestellten Station. Darin befinden sich die Steuerungselektronik, kleine, Strom sparend arbeitende, selbst ansaugende Pumpen und ein Zwischenbehälter mit 2,5 m³ Vorrat. Das Reinwasserpumpwerk im Außenspeicher füllt diesen von Zeit zu Zeit auf. Die Steuerung aller Pumpenvorgänge vom Regencenter aus geschieht vollautomatisch. Eine am Regencenter serienmäßig eingebaute RS 232-Schnittstelle bündelt die Datenübertragung bündelt und ermöglicht, dass in der geplanten Leitwarte der Facility Manager die Betriebszustände sowie etwaige Störungen sofort erkannt werden. Voraussetzung dafür sind Wasserstandssensoren im Außenspeicher und Zwischenbehälter.

Die Kosten

Investor der Baumaßnahme einschließlich Regenwasserbewirtschaftung ist „Bauart, Beteiligungs-GmbH & Co., Mollstraße KG“. Der Aufwand für die Regenwasserreinigungsanlage einschließlich Zisterne, Versickerungsanlage und Druckerhöhungsstation betrug ca. 360.000 €. Im neu erstellten Office Tower, neben dem ETAP-Hotel, könnte das Regenwasser in Zukunft ebenfalls verwendet werden. Eine Erweiterungsmöglichkeit für den 2. Bauabschnitt wurde vorgesehen. Die Zisterne wurde darauf ausgelegt.

Im ETAP-Hotel ist die gesamte WC-Spülung mit eigener Versorgungsleitung in alle Nasszellen angeschlossen. Hier werden pro Jahr 1.500 m³ Regenwasser nach Berechnungen der Fachingenieure gebraucht. 400 m³ /a werden zur Bewässerung der Grünflächen zur Verfügung gestellt. Das erspart Trinkwasser im Wert von 4.100 € bei 2,17 € pro m³, Stand 2011. Die eingesparte Niederschlagsgebühr beträgt ca. 7.000 €/a. Das ETAP-Hotel ist Mieter und zahlt Betriebskosten. Es plant eine Zertifizierung nach DGNB, dabei werden die 3 Punkte: Nachhaltige Ressourcenverwendung, Microklima (durch den Bepflanzter Bodenfilter) und geringer Trinkwasserverbrauch erfüllt.

Der gelegentliche Speicherüberlauf mündet in eine Versickerungsanlage. Von der eingesparten Niederschlagsgebühr profitieren die Mieter.

Projektdaten

Bauherrschaft: Bauart, Beteiligungs-GmbH & Co., Mollstraße KG, Berlin

Planung: Ingenieurbüro Kraft, Beratende Ingenieure für Wasserwirtschaft, Berlin

Regenspeicher: Mall-Betonfertigteilzisterne für unterirdischen Einbau, geteilt in 110 m³ Rohwasserspeicher und 166 m³  Reinwasserspeicher, mit jeweils eigenem Pumpwerk am Zisternenboden

Filter: 4 x Mall FS 3000 - 5000

Fertigstellung: 2011

Literatur

  • König, Klaus W.: Ratgeber Regenwasser. Für Kommunen und Planungsbüros. Rückhalten, Nutzen und Versickern von Regenwasser im Siedlungsgebiet. (Hrsg.:) Mall GmbH, Donaueschingen, 3. Auflage, 2010. 36 Seiten, DIN A 4, 18,00 € zzgl. Porto u. Verpackung; ISBN 3-9803502-2-3

Zeichnung: Ingenieurbüro Kraft

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