Donnerstag, den 23. Nov 2017

Die Weichen für regenerative Haustechnik werden gestellt

Licht und Schatten sieht die Unipor-Ziegel-Gruppe im vorliegenden Entwurf für die Energieeinsparverordnung (EnEV): So sind die geplanten Verschärfungen für die Gebäudehülle signifikant, jedoch durchaus maßvoll. Die gleichzeitige Fokussierung auf regenerative Energieträger in der Haustechnik wird jedoch zwangsläufig Mehrkosten mit sich ziehen. Diese werden sich nur in sehr wenigen Fällen durch verringerte Energiekosten amortisieren. Damit widerspricht der EnEV-Entwurf dem Wirtschaftlichkeitsgebot des Energieeinsparungsgesetzes (EnEG) in eklatanter Weise.

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) 2014 nimmt immer konkretere Züge an: Aktuell wurde der Referentenentwurf nach Überarbeitung im Bundeskabinett beschlossen, wobei das geplante vereinfachte Nachweisverfahren – genannt »EnEV easy« – entfiel. Die EnEV ist somit auf gutem Wege, im kommenden Jahr in Kraft zu treten. Sie beinhaltet prozentual gesehen deutliche Verschärfungen bei den primärenergetischen Anforderungen an Neubauten: In zwei Stufen – 2014 und 2016 – steigen diese um jeweils 12,5 Prozent. Gleichzeitig sinkt der zulässige Wärmedurchgangskoeffizient der Gebäudehülle um durchschnittlich 10 Prozent. Somit ist zwar eine signifikante Verschärfung der Anforderungen an die Gebäudehülle geplant, diese fällt jedoch geringer aus als die primärenergetischen Verschärfungen. Die unterschiedliche Gewichtung ist insofern verständlich und begrüßenswert, als dass Transmissions-Wärmeverluste der Gebäudehülle (H’T) nur einen geringen Prozentsatz der Gesamt-Wärmeverluste eines Gebäudes ausmachen. Selbst moderne Gebäude erleiden noch immer bis zu 50 Prozent aller Verluste durch die notwendige Lüftung. Gleichzeitig gibt die Politik mit dieser Ausgestaltung der EnEV ihre Marschrichtung für die kommenden Jahre vor: Der Fokus liegt dabei deutlich auf einer möglichst klimaneutralen Gewinnung der Energie und weniger stark auf einer immer hermetischeren Abdichtung der Gebäude.

Fenster zur Zukunft
Dennoch: Auch die Verschärfungen für die Gebäudehülle sind erheblich. Dies bedeutet, dass die Vermeidung von Wärmebrücken zukünftig einen noch höheren Stellenwert einnehmen wird als bisher. Einerseits gilt es diese, durch eine entsprechende Planung, bereits in einem frühen Stadium zu umgehen. Andererseits ist eine fachgerechte Ausführung der Arbeiten entscheidend, um Wärmebrücken tatsächlich zu vermeiden.

Im Sinne einer ökonomisch und ökologisch zielführenden Herangehensweise werden zukünftig außerdem die Bauteile im Mittelpunkt stehen, die bei minimalem Mehraufwand maximale Einsparungen erzielen können. Somit ebnet die EnEV beispielsweise den Weg für einen flächendeckenden Einsatz der Dreischeiben-Technologie bei Fenstern. Die Mehrkosten gegenüber Fenstern mit Doppelverglasung sind mit nur rund 20 Euro pro Quadratmeter Fensterfläche für Bauherren überschaubar. Auch in der Verarbeitung auf der Baustelle ergeben sich kaum Mehrkosten oder Mehraufwand. Zudem bietet der Schritt hin zu dreifachverglasten Fenstern ein verhältnismäßig hohes energetisches Einsparpotenzial für die Gebäudehülle.

Hausaufgaben bereits gemacht
Im Gegensatz hierzu sind entscheidende Einsparungen im Mauerwerk nicht mehr zu erzielen: Seit Beginn der 90er Jahre hat die Unipor-Ziegel-Gruppe als Teil der deutschen Ziegelindustrie allein die Wärmeleitfähigkeit ihrer Mauerziegel um insgesamt 60 Prozent gesenkt. Als Resultat entfallen heute nur noch 12 Prozent der Energieverluste an einem Gebäude überhaupt auf das Mauerwerk. Damit sind entscheidende Entwicklungsschritte bereits getan, womit das Potential zur Verbesserung nur noch klein ist. Die Auswirkungen etwaiger Optimierungen können durch den geringen Anteil des Mauerwerks an den Transmissions-Wärmeverlusten des Gesamtgebäudes nur verschwindend gering sein – und dies bei enormem technologischem Aufwand.

Moderne Anlagentechnik als Schlüssel zum Erfolg?
Die Politik fördert und fordert durch den vorliegenden EnEV-Entwurf insbesondere alternative Systeme zur Energiegewinnung und -speicherung. Der Einsatz von Wärmepumpen, Brennwerttechnik oder Biomasse-Heizsytemen senkt dabei die Bilanz in der Primärenergie erheblich. Gleichzeitig steigen durch die immer komplexere Anlagentechnik sowohl Anschaffung- als auch Unterhaltskosten. Eine Amortisierung dieser Mehrkosten durch verringerte Energiekosten rückt dabei in immer weitere Ferne: Amortisationszeiten von 40 Jahren und mehr sind dabei spätestens ab dem Verschärfungsschritt 2016 eher die Regel als die Ausnahme. Somit widerspricht der derzeitige EnEV-Entwurf klar dem Wirtschaftlichkeitsgebot gemäß Energieeinsparungsgesetz (EnEG). Aus Sicht der Ziegelindustrie sind die pauschalen Reduzierungen des Primärenergiebedarfs nicht zielführend und in ihrer Höhe zu prüfen. Stattdessen wäre die Festlegung von konkreten Bauteilkennwerten im Referenzgebäudeverfahren sinnvoll.

 

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