Samstag, den 25. Nov 2017

Energieeffizienteres Bauen mit Gebäudesteuerung

Unter dem Stichwort »Energiewende« lassen sich zahlreiche Einzelaspekte der politischen Diskussion der vergangenen Jahre zusammenfassen, etwa Klimaschutz-Ziele, nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen oder größere Unabhängigkeit von Energieträger-Importen. Bekanntermaßen liegen besondere Potenziale für den geforderten, effizienteren Umgang mit Energie im Gebäudesektor.

Nach Auskunft des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBW) sind hier rund 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs der Bundesrepublik gebunden – deutlich mehr etwa als in der Industrie oder dem Verkehr. Erklärtes Ziel der Bundesregierung, aber auch der EU-Administration, ist es, diesen Verbrauch deutlich zu reduzieren. Viel zu wenig Beachtung findet dabei der Einsatz intelligenter Gebäudetechnik, findet Sven Bär, Geschäftsführer von ESYLUX. Wir sprachen mit ihm über die Energiespar-Potenziale von Präsenz- und Bewegungsmeldern.

Rolf Mauer: Weniger Energieverbrauch durch effizientere Technik – Würden Sie diese Behauptung so unterschreiben?

Sven Bär: Aber ja! Gebäudetechnik-Komponenten wie Präsenz- und Bewegungsmelder steuern angeschlossene Verbraucher wie Leuchten, Heizung-, Lüftungs- oder Klimaanlagen bedarfsgerecht in Abhängigkeit von der tatsächlichen Raumnutzung. In unseren Planungs-Simulationen erreichen wir so bis zu 70 Prozent weniger Energieverbrauch in Gebäuden. Die erheblichen Sparpotentiale der Technologie belegen darüber hinaus Studien, wie etwa die von Martin Becker von der Hochschule Bieberach.

Rolf Mauer: Wo sehen Sie das größte Potential, den Energieverbrauch im Gebäudesektor zu senken?

Sven Bär: Neben den baulichen Maßnahmen zur Durchsetzung höherer Energiestandards liegt meiner Ansicht nach enormes Potenzial im Verhalten der Nutzer. Muss die Heizung über Nacht angeschaltet bleiben, obwohl das Büro nicht genutzt wird? Schaltet der Besucher das Licht im Waschraum tatsächlich beim Verlassen aus – oder eher nicht?

Rolf Mauer: Und hier kommen dann Präsenz- und Bewegungsmelder ins Spiel?

Sven Bär: Intelligente Gebäudetechnik wie Präsenz- und Bewegungsmelder unterstützen Nutzer sinnvoll dabei, Energie zu sparen, indem sie bedarfsgerecht eingesetzt wird. Die Melder schalten nach einer definierten Zeitspanne Verbraucher in Räumen, in denen sich niemand aufhält, schlicht aus, etwa das Licht im Waschraum. Besonderer Pluspunkt: Der Nutzer muss nichts beitragen, muss sein Verhalten nicht anpassen – die Technik unterstützt ihn optimal und komfortabel, ganz ohne Einstellungsveränderung, die sich schlimmstenfalls ohnehin nur mit dem erhobenen Zeigefinger durchsetzen ließe.

Rolf Mauer: Welchen Beitrag können Melder ganz konkret zum Energiekonzept eines Architekten leisten?

Sven Bär: Einen ganz erheblichen: Bei einem Energiekonzept, das auf der DIN EN 15232 beruht, lässt sich die Energieklasse A überhaupt nur über die Einbindung von Präsenzmeldern in Verbindung mit einer konstanten Lichtregelung realisieren.

Rolf Mauer: Worin unterscheiden sich Präsenzmelder von Bewegungsmeldern und wie funktionieren sie?

Sven Bär: Physikalisch gesehen gibt es keinen Unterschied. Beide arbeiten in der Regel mit Passiv-Infrarot-Sensoren. Es gibt allerdings zwei Kernmerkmale, anhand derer sich die Melderarten voneinander unterscheiden: Dies sind die Empfindlichkeit und die Lichtmessung. Während Präsenzmelder bereits kleinste Bewegungen registrieren und die angeschlossenen Verbraucher dementsprechend schalten, reagieren Bewegungsmelder nur auf größere Bewegungen von Wärmequellen. Die Lichtmessung ist zudem bei diesen Meldern nach dem Einschalten nicht mehr aktiv. Im Gegensatz dazu sorgen Präsenzmelder dafür, dass, abhängig von der Intensität des zur Verfügung stehenden Tageslichtes, jeweils die Menge an Kunstlicht zugeführt wird, die für ein konstantes Lichtniveau erforderlich ist.

Rolf Mauer: Weshalb dieser Unterschied zwischen den Meldern?

Sven Bär: Dass Bewegungsmelder nicht mit dieser Art der Lichtmessung ausgestattet werden, ist historisch bedingt: Im Außenbereich, ihrem traditionellen Anwendungsumfeld, ist die einmalige Aktivierung bei der Registrierung einer Bewegung vollkommen ausreichend.

Rolf Mauer: Wo werden Präsenz- und wo Bewegungsmelder sinnvoll eingesetzt?

Sven Bär: Präsenzmelder sollten vorzugsweise dort eingeplant werden, wo Bewegungen gering ausfallen, etwa bei sitzenden Tätigkeiten in Schulen oder Büroräumen. Zudem sind sie überall dort die richtige Wahl, wo Kunstlicht in Abhängigkeit von der Tageslichtintensität zugesteuert werden soll. Bewegungsmelder kommen dagegen in Durchgangsbereichen wie Fluren oder Treppen zum Einsatz sowie allgemein in Räumen ohne hohen Tageslichtanteil.

Rolf Mauer: Mehr Technik bedeutet auch eine komplexere Planung.

Sven Bär: Ja, die neuen technischen Möglichkeiten für mehr Energieeffizienz setzen auch neues Know-How bei Architekten und Planern voraus. Wir reagieren auf diesen Informationsbedarf, etwa mit unserer Academy oder unserem Fachbuch „Energieeffizienz durch Präsenzmelder und Bewegungsmelder – Bedarfsgerechte Gebäudeautomation“. Zudem verstehen wir uns als ganzheitlicher Partner für die gesamte Leistungskette zwischen Bauherr, Architekt, Generalunternehmer, Fachplaner, Installateur und Endanwender.

Rolf Mauer: Sie unterstützen also Architekten und Planer bei der Ausführungsplanung?

Sven Bär: Ja, selbstverständlich. Je früher wir in den Prozess eingebunden werden, desto maßgeschneiderter kann unsere Unterstützung ausfallen.

Rolf Mauer: Welche weiteren Vorteile bieten Präsenz- und Bewegungsmelder?

Sven Bär: Höhere Sicherheit, etwa weil Bewegungsmelder im Außenbereich auf Personen, die sich Objekten nähern, reagieren und das Licht zuschalten. Das schreckt Einbrecher ab, da sie sich durch Licht meistens gestört fühlen. Auch in Innenräumen erhöht automatische Lichtsteuerung bei Bewegung die Sicherheit, schlicht indem Licht Orientierung ermöglicht, ohne erst im Dunkeln nach dem Schalter tasten zu müssen. Das bedeutet zugleich höheren Komfort für Nutzer, der zweite Vorteil der Technologie. Noch deutlicher wird dieser am Beispiel einer altersgerechten Wohnung. Nehmen wir an, eine Person ist auf Gehhilfen oder einen Rollator angewiesen: Hier können die Melder körperliche Einschränkungen optimal kompensieren.

Sven Bär verantwortet als Geschäftsführer der ESYLUX GmbH seit 2002 die Forschung & Entwicklung sowie das Produktmanagement
Sven Bär verantwortet als Geschäftsführer der ESYLUX GmbH seit 2002 die Forschung & Entwicklung sowie das Produktmanagement. Zudem fallen IT, Logistik und die kaufmännische Verwaltung in die Zuständigkeit des promovierten Staats- und Wirtschaftswissenschaftlers. ESYLUX ist Hersteller elektrotechnischer Produkte für mehr Energieeffizienz und Sicherheit in Gebäuden.

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