Schallschutz bei massiven Gips-Wandbauplatten

Leichte innere Trennw√§nde in Wohnungen erm√∂glichen einen schnellen und flexiblen Innenausbau, sind aber auch an der erh√∂hten Flanken√ľbertragung des Schalls √ľber Decken und Wohnungstrennw√§nde beteiligt. W√§nde aus massiven Gips-Wandbauplatten, bei denen der elastische Anschluss die Regelbauweise ist, reduzieren hingegen die bauakustische Anregung der Bauteile und f√ľhren nicht zu Beeintr√§chtigungen beim Schallschutz. Der Zusammenhang l√§sst sich in baupraktischen Versuchen nachweisen und wird in der k√ľnftigen Neufassung von DIN 4109 auch rechnerisch ber√ľcksichtigt.

Nichttragende innere Trennw√§nde aus massiven Gips-Wandbauplatten verbinden die homogene Bauweise des Mauerwerksbaus mit den Vorteilen des leichten und schnellen Trockenbaus. Einerseits entstehen die W√§nde ohne Unterkonstruktion durch und durch aus massivem Gips. Sie haben wie Mauerwerk im gesamten Querschnitt und in der gesamten Fl√§che die gleichen Eigenschaften, was z.B. die Befestigung von Lasten oder den Einbau von T√ľr√∂ffnungen vereinfacht. Andererseits werden Bauteile aus Gips-Wandbauplatten allein mit Gipskleber errichtet und ben√∂tigen keinen Putz. Die Oberfl√§chen werden lediglich verspachtelt, sodass fl√§chensparende Konstruktionen entstehen, die durch ihre weitgehend wasserfreie Bauweise ein schnelles Bautempo ohne lange Wartezeiten erlauben.

Typisch f√ľr den massiven Trockenbau sind au√üerdem die vergleichsweise geringen fl√§chenbezogenen Massen, die bei einschaligen W√§nden in Gr√∂√üenordnungen von 70 kg/m¬≤ (80 mm Dicke, mittlere Rohdichte nach DIN EN 12859) bis 137 kg/m¬≤ (100 mm Dicke, hohe Rohdichte) liegen. Damit geh√∂ren sie bei den im Wohnungsbau √ľblichen Raumh√∂hen zu den leichten Trennw√§nden, die nach dem nationalen Anhang von Eurocode 1 Teil 1-1 (DIN EN 1991-1-1/NA) bei der Deckenbemessung nicht als Einzellast, sondern mit einem pauschalen Trennwandzuschlag ber√ľcksichtigt werden. Was sich hier zun√§chst etwas trocken und theoretisch liest, er√∂ffnet dem Planer in der Praxis eine hohe Gestaltungsflexibilit√§t. Denn die genaue Raumaufteilung muss dadurch noch nicht mit dem Rohbau festgelegt werden. Stattdessen k√∂nnen Gips-Massiv-W√§nde sp√§t im Bauablauf geplant und nach dem Prinzip des g√ľnstigsten Grundrisses an jeder beliebigen Stelle errichtet werden. Unterz√ľge oder Wandtr√§ger sind nicht erforderlich, sodass auch ein nachtr√§gliches Hinzuf√ľgen oder Entfernen, also ein sp√§teres Abteilen oder Zusammenlegen von R√§umen jederzeit m√∂glich ist.

Diese Flexibilit√§t ist ‚Äď in Kombination mit schlankem Tragwerk, das aus den geringen Massen der W√§nde resultieren kann ‚Äď ein wichtiges Merkmal moderner Trockenbauweisen. Zugleich bieten Gips-Massiv-W√§nde und ihr schallentkoppelter, elastische Anschluss an angrenzende Bauteile einen zeitgem√§√üen Schallschutz. Dies gilt zum einen f√ľr den Direktschallschutz, bei dem die Gips-Massiv-W√§nde das trennende Bauteil zwischen zwei R√§umen bilden, aber noch viel mehr f√ľr die Schall√ľbertragung auf Nebenwegen, bei der die Bauteile aus Gips-Wandbauplatten als Flanken von Decken und tragenden W√§nden auftreten.

Der elastische Anschluss der Trennw√§nde mit Randanschlussstreifen stellt bei Gips-Wandbauplatten die Regelbauweise nach DIN 4103-2 dar. Es handelt sich folglich nicht um gesondert nachzuweisende oder gar zulassungspflichtige Sonderausf√ľhrungen. Ein systemkonformer Randanschlussstreifen ist z.B. der nur 3 mm dicken MultiGips AkustikPro 120 aus PE-Schwerschaum. Mauerwerksanker oder andere zus√§tzliche starre Verbindungsteile sind f√ľr den Wandanschluss nicht erforderlich und m√ľssen im Sinne des Schallschutzes unterbleiben.

Mit dem fachgerecht ausgef√ľhrten elastischen Anschluss wird die Verbindung zwischen Gips-Massiv-Wand und flankierendem Bauteil im schalltechnischen Sinne aufgehoben. Die bauakustische Anregung, die von einer flankierenden Trennwand auf eine trennende Decke oder Wohnungstrennwand ausgehen kann, l√§sst sich damit deutlich reduzieren. Oder anders formuliert: Obwohl es sich um leichte flankierende Bauteile handelt, verschlechtern Gips-Massiv-W√§nde nicht die Schalld√§mmung der trennenden Bauteile.

Im Rahmen eines umfangreichen AiF-Forschungsvorhabens (siehe Kasten) konnte baupraktisch nachgewiesen werden, dass diese Ausf√ľhrungsart die bauakustische Anregung der Bauteile untereinander und damit die Schallweiterleitung √ľber flankierende Bauteile deutlich reduziert. Es ergibt sich ein verbesserter Schallschutz f√ľr Wohnungstrennw√§nde und Geschossdecken, was speziell im mehrgeschossigen Wohnungsbau eine Ausf√ľhrung auf zeitgem√§√üem L√§rm- und Ruheschutzniveau erm√∂glicht. In dem Forschungsprojekt wurden durch zahlreiche Geb√§udemessungen Sto√üstellend√§mm-Ma√üe f√ľr entkoppelte Gips-Massiv-W√§nde ermittelt und als Verbesserung gegen√ľber dem Rechenwert f√ľr einen starren Anschluss dokumentiert. Je nach √úbertragungssituation betr√§gt die Verbesserung der Sto√üstellend√§mmung dabei 2 bis 15 dB.

Die zu erwartende Neufassung von DIN 4109 Schallschutz im Hochbau wird diese Sto√üstellen-Verbesserungsma√üe k√ľnftig auch rechnerisch ber√ľcksichtigen. Baupraktisch anwenden lassen sich die Vorteile schon heute.


 

Messung der Luftschalld√§mmung in ausgef√ľhrten Geb√§uden mit Gips-Wandbauplatten

Neben dem direkten Schalldurchgang Dd ist immer auch die Schall√ľbertragung √ľber die Nebenwege Fd, Df und Ff relevant. Nach DIN 4109 (1989) ist f√ľr den Einfluss der Nebenwegs√ľbertragung im Massivbau allein die fl√§chenbezogene Masse der flankierenden Bauteile ma√ügeblich. Im pauschalen Berechnungsmodell mit dem Korrekturwert KL,1 bleibt die Art des Anschlusses unber√ľcksichtigt. Bild: VG-Orth Multigips
Im Rahmen des AiF-Forschungsvorhabens ¬ĽUmsetzung der europ√§ischen Normen des baulichen Schallschutzes f√ľr das Bauen mit Gips-Wandbauplatten¬ę im Auftrag des Bundesverbandes der Gipsindustrie, umgesetzt von der Hochschule f√ľr Technik HfT Stuttgart am Institut f√ľr angewandte Forschung unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Heinz-Martin Fischer, wurden in 14 Geb√§uden mit Innenw√§nden aus entkoppelten Gips-Wandbauplatten die Luftschalld√§mmung von vertikalen und horizontalen √úbertragungssituationen bestimmt. Dabei wurden vor allem solche vertikalen √úbertragungssituationen untersucht, die zwei oder drei Gips-Massiv-W√§nde als flankierende Bauteile aufwiesen. Bei allen Geb√§udemessungen wurden bei vertikaler √úbertragung f√ľr die in der Regel 200 mm dicken Geschossdecken mit flankierenden Gips-Massiv-W√§nden bewertete Schalld√§mm-Ma√üe von R‚Ä≤w ‚Č• 58 dB ermittelt. Der Mittelwert des bewerteten Schalld√§mm-Ma√ües aller durchgef√ľhrten Messungen betrug 61,7 dB. Damit sind nicht nur die Anforderungen von DIN 4109 (R‚Ä≤w = 54 dB) weit √ľbertroffen, sondern es werden auch die Vorschl√§ge f√ľr einen erh√∂hten Schallschutz nach Beiblatt 2 zu DIN 4109 (R‚Ä≤w ‚Č• 55 dB) und die Schallschutzstufe II (R‚Ä≤w = 57 dB) gem√§√ü VDI 4100 sicher erreicht. Sogar Schallschutzstufe III nach VDI 4100 (R‚Ä≤w = 60 dB) kann erreicht werden. Die Flankend√§mm-Ma√üe der entkoppelten Gips-Massiv-W√§nde waren dabei in der Regel so hoch, dass sie keinen wesentlichen Anteil mehr zur Gesamt√ľbertragung lieferten. Bemerkenswert ist dabei, dass die Flankend√§mm-Ma√üe der entkoppelten Gips-Massiv-W√§nde in derselben Gr√∂√üenordnung wie das Flankend√§mm-Ma√ü einer etwa viermal so schweren nicht entkoppelten Massivwand liegen.

Wegen der Bedeutung der Flanken√ľbertragung werden leichte Trennw√§nden aus Gips-Wandbauplatten nicht nur nach ihrer Direktd√§mmung beurteilt. Es ist zu ber√ľcksichtigen, dass die W√§nde nur einen geringen Beitrag zur Schall√ľbertragung auf Nebenwegen (K√∂rperschall) leisten, weil sie durch den elastischen Wandanschluss wirksam von angrenzenden Bauteilen entkoppelt werden. Bild: VG-Orth Multigips

Bei der horizontalen √úbertragung √ľber Wohnungstrennw√§nde mit einer flankierenden Trennwand aus Gips-Wandbauplatten ‚Äď die untersuchten horizontalen Bausituationen wiesen jeweils nur eine flankierende Wand auf ‚Äď ergab sich aus sieben durchgef√ľhrten Messungen f√ľr das bewertete Schalld√§mm-Ma√ü ein Mittelwert von 57,1 dB. Auch hier werden die Anforderungen der DIN 4109 (R‚Ä≤w = 53 dB) deutlich √ľberschritten und die Vorschl√§ge f√ľr einen erh√∂hten Schallschutz nach DIN 4109 Beiblatt 2 (R‚Ä≤w ‚Č• 55 dB) oder die Schallschutzstufe II nach VDI 4100 (R‚Ä≤w = 56 dB) k√∂nnen eingehalten werden.