Dienstag, den 26. Sep 2017

Fahrbahnsanierung der Koblenzer Europabrücke

Am Zusammenfluss von Rhein und Mosel liegt Koblenz – mit über 2.000 Jahren eine der ältesten Städte Deutschlands. Berühmtes Wahrzeichen der pfälzischen Metropole ist das Deutsche Eck, das bis 1990 Mahnmal der Deutschen Einheit war und heute Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal ist. Koblenz markiert den zentralen Kreuzungspunkt des Rheinischen Schiefergebirges zwischen den linksrheinischen Mittelgebirgen Hunsrück und Eifel sowie den rechtsrheinischen Höhenzügen Taunus und Westerwald.

Gleich mehrere Brücken überspannen die Mosel im Koblenzer Stadtgebiet. Als Hauptverkehrsader führt die Bundesstraße 9 über die Europabrücke ins Stadtzentrum. Dieses Bauwerk besteht im Grunde aus zwei Brücken: Auf den Pfeilern der bei Kriegsende gesprengten Vorgängerbrücke wurde Mitte der 1950er Jahre zunächst die so genannte Neue Moselbrücke errichtet. Sie war jedoch schon bald dem zunehmenden Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen und so baute man in den 1970er Jahren eine zweite Brücke in gleicher Bauform direkt daneben. Erst im Oktober 1991 erhielt die Neue Moselbrücke auf Vorschlag des Koblenzer Stadtrates und mit Zustimmung des Bundesverkehrsministeriums den heutigen Namen Europabrücke.

Die Koblenzer Europabrücke gehört zu den meistbefahrenen Brücken in Deutschland, täglich überqueren etwa 100.000 Fahrzeuge hier den Mündungsbereich der Mosel. Die gewachsene Verkehrsbelastung hat insbesondere dem älteren Brückenteil stark zugesetzt – das Nachkriegsbauwerk kann die heutigen Belastungen, insbesondere den Schwerlastverkehr, nicht tragen. Und die teilweise sehr harten Winter taten ihr Übriges und hatten schwere Betonschäden zur Folge. So mussten Teile der stadteinwärts führenden Teilbrücke wegen der fortschreitenden Schädigung des Betons gesperrt werden, eine nachhaltige Sanierung war dringend geboten.

Das Tiefbauamt der Stadt Koblenz setzte eine mehrstufige Instandsetzungsmaßnahme für die beide Brückenteile an, da die Anforderungen durch das Verkehrsaufkommen heute sehr hoch sind. Zusätzliche Schwierigkeiten stellen Zeitdruck, Staub- und Lärm-Emissionen und Unfallrisiken dar. Da die Europabrücke zu Verkehrsspitzenzeiten stets zum Nadelöhr wird, versuchte man die Bauzeit zu begrenzen, indem die Baustelle an allen sieben Tagen der Woche rund um die Uhr betrieben wurde. Mit der Bauleitung und Ausführung betraute man die Heinz Schnorpfeil Bau GmbH aus Treis-Karden an der Mosel. Alle Produkte der Instandsetzungssysteme stammen vom Stuttgarter Bauchemie-Hersteller Sika Deutschland GmbH.

Zunächst wurden die beiden äußeren Fahrspuren mit den Brückenkappen instand gesetzt. Die alten Asphaltdeckschichten wurden abgefräst und die obere Betonschicht der Konstruktion mittels Hochdruckwasserstrahlen entfernt. Die Brückenkappen wurden komplett abgetragen und in einer neuen Stahlbetonkonstruktion sowie mit erhöhten Sicherheitsstandards wieder aufgebaut. Die Betoninstandsetzung der Fahrbahnfläche mittels PCC I nach ZTV-ING Teil 3, Abschnitt 4, erfolgte mit dem 1-komponentigen, mineralischen Trockenmörtel »SikaTop ES K&H-101« als Korrosionsschutz und Haftbrücke sowie mit dem konfektionierten Werktrockenmörtel, bestehend aus Normzement und quarzitischen Zuschlägen, »SikaTop ES-108« als Betonersatz. Insgesamt wurden ca. 700 Tonnen kunststoffmodifizierter Betonersatzmörtel eingebaut.
Zur Abdichtung der Fahrbahntafeln unter dem Gussasphalt wurden im ersten Schritt zwei Lagen des 2-Komponenten-Reaktionskunststoffs auf Epoxidharzbasis »Sika Ergodur-500 Pro« als Grundierung aufgebracht. Darauf wurden die »Sika Ergobit« Polymerbitumen-Schweißbahnen verlegt. Sie bestehen aus einer Bitumenkombination mit ataktischem Polypropylen (APP) und verfügen über einen hohen Erweichungspunkt von ca. 155 °C. Durch das Aufschweißen der Schweißbahnen verflüssigt sich das Bitumen und verbindet sich mit dem darunter angewärmten Epoxidharz.

Das Abdichtungssystem aus »Sika Ergodur-500 Pro« und »Sika Ergobit« ist nach ZTV-ING, Teil 7, Abschnitt 1 geprüft und zugelassen und wird außerdem bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in der Zusammenstellung der geprüften Stoffe und Stoffsysteme geführt. Durch den Einsatz des seit Jahren bewährten Abdichtungssystems verhindert man wirkungsvoll das Eindringen von Tausalzen in den Konstruktionsbeton und damit die chloridinduzierte Korrosion an den Bewehrungsstählen und den Spanngliedern.

Im zweiten Bauabschnitt wurden anschließend die beiden mittleren Fahrspuren nach ähnlichem Muster instand gesetzt. Da die Bauzeit hier bereits in den Winter fiel, überspannte man vorausschauend die gesamte Baustelle mit einem Zelt, welches je nach Wetterlage klimatisiert werden konnte. Zu dieser Maßnahme hatte man sich entschlossen, weil insbesondere der Einsatz von kunststoffmodifizierten Werkstoffen Trockenheit und ein bestimmtes Temperaturniveau erfordert, die um diese Jahreszeit nicht immer gegeben sind. Insgesamt wurden auf der Europabrücke rund 8.600 Quadratmeter Fahrbahnfläche auf 400 Meter Länge erneuert.

Sika Deutschland GmbH, www.sika.de

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