Donnerstag, den 23. Nov 2017

Kirchenfenster verwahren

Viele historische Kirchenfenster sind vom Zerfall bedroht. Die Kölner Dombauhütte hat besondere Techniken entwickelt, um die rund 10.000 Quadratmeter Fensterfläche und das angrenzende Mauerwerk sicher zu verwahren.

 

Sonne, Wind und Regen machen historischen Kirchenfenstern zu schaffen. Zudem greifen Abgase und saurer Regen die Glasmalereien an. Nach Einschätzung der Gütegemeinschaft Saturnblei e.V. sind rund 30 Prozent der Kirchenfenster hierzulande akut von Oberflächenkorrosion und Verbräunung bedroht. Wie stark die Schädigungen ausgeprägt sind, hängt maßgeblich vom Objektzustand und Standort ab.

Wie lässt sich dem schleichenden Zerfall von historischen Kirchfenstern entgegenwirken? Zwar lassen sich mit einer zusätzlichen Schutzverglasung die Schädigungen an Kirchenfenstern eindämmen, doch die schädlichen Einflüsse selbst werden nicht verhindert. Kirchenfenster und angrenzende Mauerelemente bilden eine Einheit. Nur wenn Fenster und Fassade sicher verwahrt werden, ist ein dauerhafter Schutz gewährleistet. Die Kölner Dombauhütte hat diese Herausforderungen frühzeitig erkannt und besondere Techniken unter Einsatz von Walzblei entwickelt. Viele Erfahrungswerte haben Vorbildcharakter für die Restaurierung anderer Sakralbauten.

Die Fensterfläche des Kölner Doms umfasst insgesamt rund 10.000 Quadratmeter. Die Verantwortlichen gehen präventiv vor und schützen Kirchenfenster von vornherein vor schädlichen Einflüssen. Denn dringt erst einmal Feuchtigkeit ein oder sammelt sich Kondenswasser an, entsteht schnell ein erheblicher Sanierungsaufwand. Mit Walzblei werden Fensterbänke, Stützen und Säulen passgenau eingefasst und Mauerwerksfugen abgedichtet.

Aufgrund ihrer exponierten Lage sind die Fensterbänke der Kirchenfenster besonders anfällig für Feuchtigkeitsschäden. Der Gussasphalt in den Fugen saugt sich leicht mit Regenwasser voll. Als Gegenmaßnahme deckt die Dombauhütte äußere Fensterbänke vermehrt mit Bleiblechen ab. Walzblei ist leicht verformbar und schmiegt sich förmlich an das Mauerwerk an. Das Verlegen übt kaum Druck auf den Untergrund aus. Auch auf aufwändige Befestigungen kann verzichtet werden. Von entscheidender Bedeutung ist auch der Feuchteausgleich. Es muss einerseits verhindert werden, dass Regen- oder Tauwasser eintritt. Andererseits muss gewährleistet sein, dass auftretendes Kondenswasser nach außen entweichen kann.

So werden Kirchenfenster von Grund auf saniert und Schäden langfristig vermieden. Wöchentlich werden alle exponierten und sensiblen Stellen an Dach und Fassade geprüft. Die mit Walzblei eingefassten Kirchenfenster bieten einen wartungsfreien Schutz über viele Jahrzehnte.

Gütegemeinschaft Saturnblei e.V., www.saturnblei.de

Fotos: Saturnblei e.V.

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