Dienstag, den 26. Sep 2017

Einrichtungshaus in Mainz mit Metallfassade

Der Bau eines neu errichteten Einrichtungshauses in Mainz steht auf einem fast 70.000 Quadratmeter großen Areal, in unmittelbarer Nähe zur Mainzer Messe. Es handelt sich um einen Gebäudekomplex in Stahlbetonfertigteilkonstruktion mit vorgehängten Metallfassaden, bestehend aus zwei ineinandergreifenden, ca. 15,50 bis 21 Meter hohen Gebäuden, mit einer Gesamtfläche von insgesamt ca. 45.000 Quadratmetern auf vier bzw. zwei Geschosse verteilt.

Die Planung und Bauleitung wurde an das Architekturbüro Stumperl – Becker GmbH, Worms übertragen. Die Planer begleiteten den Bauherrn bereits bei vorangegangenen Bauvorhaben und sind verantwortlich für die Corporate Architektur. Wesentliche Planungskriterien betrafen Funktionalität, Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und architektonische Gesamtpräsentation. Die Architekten lösten diese Bauaufgabe mit einem Entwurf der klare Formen ausdrückt, mit betonten baulichen Details, die auf besondere Funktionen hinweisen. Dazu gehört sowohl eine markante durch Verglasung geöffnete Eingangssituation als auch eine Fassade aus modernen, vorkonfektionierten Bauelementen.

Das zweigeschossige Eingangsatrium und das über alle vier Geschosse offene elliptische Atrium schaffen ein attraktives Raumerlebnis, verbunden mit einer klaren Orientierung in allen Ausstellungsebenen. Für den gewünschten Tageslichteinfall des Restaurants im 3. Obergeschoss sorgen vertikale und horizontal eingelegte Fensterbänder in der Fassade. Im rückwärtigen Bereich lehnt sich ein viergeschossiger Bürotrakt an. Hier befinden sich außerdem die Zentralen für die technische Gebäudeausstattung, Sprinkler, Wärmepumpen und die Brandmeldezentrale.

Große Handelsunternehmen auf der grünen Wiese sind und bleiben nutzungsbedingt immer zunächst Zweckbauten. Mit einer Gebäudehülle aus Metallleichtbauelementen sicherte sich die Bauherrschaft gestalterische Kombinationsmöglichkeiten mit wirtschaftlichen Vorteilen. Die Elemente bieten Wärmeeigenschaften und Sonnenschutz, verhindern hohe Lärmbelastungen. Außerdem lassen sich damit individuelle Designakzente setzen.

Um diese Fassade technisch einwandfrei zu planen und zu montieren, braucht man Spezialisten, die dieser komplexen Aufgabe gewachsen sind. Bei der Projektabwicklung der Mainzer Großbaustelle erwies es sich für die Planer von Vorteil, die Systemelementtechniker von Harmsen Komtec als kompetente Fachplaner an ihrer Seite zu haben.

Die ursprünglich vom Architekten angedachte Variante des Fassadensystems für das Möbelhaus vom Hersteller ArcelorMittal Construction wurde in einer anderen Ausführungsvariante realisiert. Hierbei waren insbesondere die Funktionalität und die Optik der vertikalen Fugen von Bedeutung, sowie die Beherrschung der immer vorhandenen Bautoleranzen. Man entschied sich für ein Sandwichpaneel mit beschichteten Stahldeckschichten und einem hochverdichteten, 200 Millimeter dicken mineralischen Dämmkern, in der Ausführung mit glatten Außenseiten. Die Elemente sind größtenteils mit einer 60 µm-Perlbeschichtung nachhaltig beschichtet und entsprechen als nichtbrennbare Baustoffe der Baustoffklasse A 2 – S1, d0 nach DIN 130501 – 1. Der Bauherr wählte die Oberflächen Mica Perla 19 A5. Im unteren Fassadenbereich wurden die Profile sogar wechselseitig beschichtet, damit man die gewünschten Farbabstufungen im Erdgeschossbereich und in den Deckprofilen entsprechend ausbilden konnte. Die Elementmontage beginnt in 0,50 Meter über dem Betonsockel.

Das Leistungspaket umfasste die Herstellung und Montage der Fassadenbekleidungen aus Metallleichtbauelementen und Montage der Dachtragschalen, einschl. der Vordächer. Hohe bauphysikalische Auflagen, wie Brandschutz, Schallschutz, Wärmedämmung, unterschiedliche Konstruktionen, große Spannweiten sowie extrem lange Streckenführungen forderten in besonderer Weise eine gute Vorplanung und Gewerkekoordination.

Das Lagergebäude erhielt eine Fassade aus Metallkassetten. Die Elemente wurden klassisch horizontal verlegt, darauf liegt die Wärmedämmung, die die senkrechte Unterkonstruktion aus Z-Profilen aufnimmt. Hierauf sind hochwertige Wellprofile 18/76. in horizontaler Verlegerichtung als Außenschale befestigt worden. Für das Flachdach auf der Halle und die Vordächer montierten die Metallbauer jeweils die Trapezprofile für die Dachtragschalen.

Die Änderung des Sandwichfassadensystems für das Möbelhaus hatte auch planerische und statische Konsequenzen. In diesem Fall waren die Stützenkonstruktion, die Befestigungspunkte, die Mindestrandabstände, die Mindestauflagerfläche und die Fugengeometrie von der geänderten Materialwahl betroffen, die sowohl statisch als auch von der bauaufsichtlichen Zulassung her neu ausgearbeitet und in ihrer Gesamtheit neu betrachtet werden mussten. Darüber hinaus galt es, die Hersteller- und Baukörpertoleranzen in der Vertikalen neu zu berücksichtigen sowie die natürlichen Toleranzen, die sich am Objekt zu den jeweiligen Achsen ergeben, anzupassen, was sich bei nur gering geplanten Auflagebreiten oft als absolute Maßarbeit herausstellte. Dabei geht es um Millimeter, weil gerade in diesem Bereich viele Abhängigkeiten zusammentreffen.

Wenn wie bei dieser Baumaßnahme beinahe alle Toleranzen komplett ausgereizt sind, dann erfordert die Montage besonders umsichtiges Handeln, d.h. permanentes Ausrichten, Berechnen und Anpassen. Nur so entsteht ein gleichmäßiges Fugenbild.

Die Verlegung erfolgte horizontal. Mit passenden 90-Grad-Eckelementen gelang ein exakter Anschluss an die Maße der Paneele bis zu den Gebäudeaußenkanten. An den beiden Gebäudehüllen von Lager und Möbelhaus dominieren die zwei sich ergänzenden, metallisch anmutenden Silberfarbtöne »Hell Silber Mica Perla 19A5« für das Möbelhaus und »Anthrazit Silber RAL 9022« für den Lagertrakt.

Die glatten Oberflächen lassen die Fassaden je nach Sonneneinstrahlung unterschiedlich changieren. Die senkrechten Elementstöße überdecken zweiteilige stranggepresste Aluminium-Sonderkonstruktionen vom Harmsen Komtec, bestehend aus einem HUT-Profil mit einem eingelegten U-Profil. Die Lisenen wurden vor Montage bemustert, auf Schlagregendichtheit und Kapillarwirkung getestet und sind anschließend speziell für die Anwendung gezogen worden.

Auf diese Weise montierten die Handwerker ca. 3.600 Quadratmeter Wellprofile für die Fassade der Lagerhalle, ca. 7.000 Quadratmeter Sandwichelemente für die Fassade am Möbelhaus sowie insgesamt ca. 16.300 Quadratmeter Dachtrapezprofile und ca. 1.110 Quadratmeter Dachtrapezprofile für die diversen Vordächer. Für die umlaufende Attika konstruierte und montierte Harmsen Komtec ein Aluminium-Formteil mit einer zur Dachinnenfläche geneigten Kantung, im selben Farbton wie das Bekleidungsmaterial der Fassade.

Die Fachmonteure arbeiteten mit Baubreiten von 600 bis 1000 Millimetern und Längen von 5.000 bis 6000 Millimetern. Die längsten Elemente wiegen jeweils ca. 200 Kilogramm/Element. Solche Massen können mit einer Sauganlage nicht
optimal bewegt werden, weil die Montage Abdrücke auf den relativ dünnen Deckschichten des Bauteils verursacht, die zudem höchste Aufmerksamkeit und professionelles Handling erfordert. Für die Montage entwickelte Harmsen Komtec eigens eine spezielle Klemmvorrichtung. Dank dieser Spezialvorrichtung und trotz klirrender Kälte ließ sich die Gebäudehülle schnell, sicher und zügig ohne Beschädigungen schließen.

Planer: Harmsen Komtec GmbH, www.harmsen-komtec.de
Architekturplanung und Bauleitung:Architektengemeinschaft Stumperl – Becker GmbH, www.architekten-sup.de
Materialien Gebäudehülle: ArcelorMittal Construction, www.arcelormittal.de
Metall - Glasfassaden: Firma Lehr GmbH, www.metallbau-lehr.de

Fotos: Photography by Andreas Reinink, Zuckerfürsauge.de

 

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