Samstag, den 23. Sep 2017

Farben an historischen Gebäuden

Hungersnöte, Kriege, die Pest – der »Rote Bären« hat alles erlebt und alles überdauert. Vom Keller aus dem Mittelalter bis zum Dachstuhl aus der Barockzeit erzählt das Gebäude seine wechselhafte 700-jährige Geschichte. Die Fundamente sind dokumentiert bis vor die Stadtgründung um 1120, die Nutzung des Bauwerks als Gasthaus ist ebenfalls bis ins 12. Jahrhundert belegt und seine Bedeutung anhand der nachgewiesenen Stallungen für ca. 200 Pferde abzulesen.

 

Nachdem im Zuge des Spanischen Erbfolgekrieges im Jahr 1713 Freiburg belagert und stark zerstört worden war – und mit der Stadt auch der »Rote Bären«, entschloss sich der damalige Bärenwirt Andreas Pflug zum Neubau. Er ließ die Reste der beiden Häuser, aus denen das Vorderhaus bis dahin bestanden hatte, abreißen und an deren Stelle ein dreigeschossiges Gebäude errichten. Aus dieser Zeit stammt auch der Wirtshaus-Ausleger mit dem goldenen Bären, der damals wie heute die Gäste begrüßt.

Doch nicht die rötlich schimmernde Vergoldung gab dem »Bären« das Adjektiv rot und dem Gasthaus seinen Namen. »Rot ist seit jeher die Farbe der Gastronomie«, weiß Monika Hansen, Wirtin und Eigentümerin des Bären seit 1969. »Genauer gesagt: seit den Kreuzzügen. In den riesigen Heerlagern gab es immer eine Reihe roter Zelte. Das waren die Bewirtungszelte, und jeder Krieger wusste, wenn er rot sah: Hier gibt es zu essen und zu trinken.«

Wie geht man mit so viel Tradition und Geschichte um? Man pflegt sie und schreibt sie fort: Im Laufe der Jahrhunderte wurde der „Rote Bären“ den Erfordernissen der Zeit sowie den Wünschen der Gäste angepasst und entsprechend baulich verändert. »Der Rote Bären ist das älteste Gasthaus Deutschlands – das verpflichtet«, erklärt die Bärenwirtin. »Die notwendigen Veränderungen geschehen immer im Spannungsfeld zwischen Bewahren und Erneuern. Tradition ja, Historisierung nein.« Während der umfassenden Sanierungs- und Umbaumaßnahmen seit 1989 kamen beeindruckende baugeschichtliche Elemente aus allen Jahrhunderten bis zurück zur Zeit der Stadtgründung Freiburgs zum Vorschein. Die ältesten Pfeiler im Keller konnten etwa auf das Jahr 1000 datiert werden. Und in der östlichen Giebelwand des ersten Obergeschosses kam eine Wandmalerei aus der Zeit der Renaissance zum Vorschein! Leider war sie in keinem sehr guten Zustand, denn die Handwerker des 18. Jahrhunderts waren nicht besonders pfleglich mit ihr umgegangen. Heute ist dieses Gemälde gut geschützt in der östlichen Giebelwand verborgen und wartet auf eine Restaurierung.

Der Freiburger Malerbetrieb Eugen Knosp meistert seit fast einem Jahrhundert die nicht ganz einfache Aufgabe, die historische Substanz an die Anforderungen eines modernen Hotelbetriebs anzupassen. »Uns ist es wichtig, fähige Handwerker als Partner zu haben, die mit uns zusammen zu den richtigen Ergebnissen kommen,« so Wirtin Monika Hansen. »Es macht Freude zu sehen, wie da gearbeitet wird. Anspruchsvolle Techniken werden angewandt, wie zum Beispiel barocke Wolkenmalerei oder die Marmorierung von Säulen.«

Einer der augenscheinlichsten Eingriffe war die künstlerische Neugestaltung der Fassade in den 50er-Jahren in einer für die damalige Zeit typischen malerischen Umsetzung. Die Bärenwirte des Mittelalters sind oft Rats- und Gerichtsherren oder Zunftmeister in Freiburg gewesen – ihre Siegel verewigte Eugen Knosp in der roten Fassade mit den rautenförmigen Ornamenten.

Seit jeher arbeitet der Malerbetrieb mit mineralischen Produkten aus dem Hause Keim und auch die rote Bärenfassade wurde seinerzeit mit Keimfarben gestaltet. »Die Fassade hat sich bis heute fast unverändert gehalten,« erklärt Peter Schandelmeyer, Geschäftsführer des Malerbetriebs Knosp. „Hier muss nichts übermalt werden, es genügt völlig, die Malerei ab und an zu reinigen und zu festigen. Die Langlebigkeit und Farbbrillanz sind übrigens Gründe dafür, warum wir fast ausschließlich mit Produkten der Firma Keim arbeiten.“ Auch im Innern des »Bären« kommen nur Keim-Farben zum Einsatz. Sie sind zum einen absolut diffusionsoffen und daher besonders geeignet für historische Bausubstanz, zum anderen ohne jeden Zusatz von Lösungsmitteln oder Weichmachern und bieten so Sicherheit für sensible Bereiche wie Schlaf- und Aufenthaltsräume.

Seit nunmehr 125 Jahren wirkt der Malerbetrieb Knosp in und um Freiburg und das vorwiegend mit Keim’scher Mineralfarbe, die selbst ein Klassiker ist! So viel Tradition passt einfach in ein Haus wie den »Bären« und zeigt, wie lebendig und farbig Geschichte sein kann ...

Ringhotel Zum Roten Bären, www.roter-baeren.de

Malerbetrieb Eugen Knosp, Freiburg

Keimfarben GmbH & Co. KG, www.keimfarben.de

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