Baurecht: Bei Wintertemperaturen Verarbeitungsrichtlinien beachten!

Jetzt im Winter kommen viele Baustellen ins Stocken. ¬ĽSchlechtwetter¬ę hei√üt dann oft die Entschuldigung der Baufirmen. Die greift aber nicht immer, wie die Arbeitsgemeinschaft f√ľr Bau- und Immobilienrecht (ARGE Baurecht) im Deutschen Anwaltverein (DAV) mitteilt. L√§ngst gibt es einschl√§gige Urteile zum Thema, die genau regeln, wann Bauen zumutbar ist und wann nicht. Die Baufirmen kennen sie alle.

Eindeutige Grenzen setzen den Baufirmen allerdings manche Baustoffe. Die Hersteller erstellen zu ihren Bauprodukten sogenannte Verarbeitungsrichtlinien. In diesen Gebrauchsanweisungen gibt es unter anderem klare Regeln zur Temperatur, bei der die Baustoffe verarbeitet werden d√ľrfen. H√§ufig m√ľssen dabei die Temperatur des zu verarbeitenden Bauteils und die Lufttemperatur beachtet werden. Das gilt zum Beispiel bei bitumin√∂sen Abdichtungen etwa im Kellerbereich. Auch bei Verputzarbeiten spielen die Temperaturen eine zentrale Rolle. Werden hier die Vorgaben nicht minuti√∂s eingehalten, drohen Bausch√§den.

Nach Erfahrung der ARGE Baurecht m√ľssen die Verarbeitungsrichtlinien besonders genau beachtet werden, wenn Materialien in Verbindung mit Wasser verarbeitet werden, sonst kann es zu Frostsch√§den kommen, sobald die Temperaturen unter 0 Grad Celsius sinken. In diesen F√§llen m√ľssen die Handwerker nicht nur darauf achten, dass die Temperatur zum Zeitpunkt der Verarbeitung √ľber dem Gefrierpunkt liegen muss, sondern auch w√§hrend der Trocknungsphase, meist der darauffolgenden Nacht, nicht unter null sinken darf.

Solche frostfreien Perioden sind im Winter aber eher selten. Das sollten auch Planer bedenken und zum einen die Firmen nicht zur Eile und zur Fortsetzung von Arbeiten dr√§ngen, wenn das Material bestimmte Witterungsverh√§ltnisse voraussetzt und diese nicht garantiert sind. Zum anderen sollten Planer misstrauisch werden, wenn eine Firma ohne R√ľcksicht auf die Au√üentemperaturen putzt, abdichtet und streicht. Dann sollten Planer oder Bauherren schnellstens einen Baurechtsanwalt hinzuziehen, um den Bau gegebenenfalls stoppen zu lassen, ehe Sch√§den entstehen, und um sp√§ter je nach den vertraglichen Vereinbarungen Beschleunigungsma√ünahmen durchzusetzen. √úbrigens: Verz√∂gert sich durch schlechtes Wetter die Bauzeit, hat die Firma in der Regel keinen Anspruch auf zus√§tzliche Verg√ľtung.